Das Projekt reflektiert die Übergänge »zwischen Stadt und Land, zwischen intensiv und extensiv bebautem Raum, zwischen Donautal und den beginnenden Bergen des Mühlviertels«. Dem »Spannungsbogen zwischen der wirtschaftlich sinnvollen Neubebauung und dem erhaltenswürdigen Naturraum samt Altbauten« wird mit dem Konzept einer »Dorf-in-der-Stadt-Struktur« begegnet. Die vorgeschlagenen mäandernden Wohnbaustreifen durchziehen das Gebiet südlich und nördlich des Petrinums. Sie sollen der örtlichen Bevölkerungsstruktur jenen Impuls an Vielfalt eintragen, der für die Formulierung des Leisenhofs als Dorfzentrum angemessen ist: »Das Leisendorf bietet dazu unterschiedliche Wohnungstypen, Modelle zur Kombination von Wohnen und Arbeiten, Nahversorgung sowie alternative Finanzierungsmodelle an.«

Das Erdgeschoss ist ebenso wie Teile im Nordosten des Obergeschosses der Nutzung durch Gastronomie, Handel, Kleingewerbe und Seminarbetrieb vorbehalten. Neben zwei strategisch klug platzierten Stiegenhäusern gerät der ehemalige Innenhof zu einem vertikalen Erschließungsraum, der nicht nur alles verbindet, sondern auch alles belebt. Die polygonal irrationale Geometrie von Stiegenläufen, Zwischengeschossen und Galerieplatten entwickelt ein kraftvolles Eigenleben, das sich mit dem Charisma des Bestandes auf Augenhöhe trifft. Altes und Neues geraten hier zu einem schlüssigen und spannenden Ganzen.

Die Fügung wird gekrönt von einer einfühlsamen und klugen Strategie der Überdachung des Innenhofs. Die großen Spannweiten werden mittels geschosshohen Viereendelträgern bewältigt, die an die bestehende Dachstuhlkonstruktion auf Höhe der Bundträme und der Brustriegel ansetzen. Aus der Logik des Tragwerks wird hier einerseits der Bestand im besten Sinn tradiert und andererseits raumschaffend agiert. Neben der Heiterkeit polygonaler Anordnungen der Träger wird hier auch im Dachgeschoss wertvoller Raum für ein Mehr an Wohnungen gewonnen. Eigenständige architektonische Haltung und ökonomische Optimierung gehen einher mit dem Respekt vor der abgeschlossenen ›fertigen‹ und in dieser Hinsicht ›unverletzbaren‹ Großform des Vierkanters. Während sein Erscheinungsbild beinah unverändert belassen werden kann, entwickelt der Vierkanter im Innenhof ein gleichsam überraschendes wie attraktives Eigenleben. Das Projekt stellt einen wertvollen Beitrag im Umgang mit dieser Typologie dar. Die baulich-konstruktive Transformation überzeugt vollends.

 

Lageplan

Lageplan

Grundriss EG

Grundriss EG

Grundriss OG

Grundriss OG

Modellfoto

Modellfoto