Zwischen Umschichtungen und Verlagerungen menschlicher Wohnorte, welche in einem so großen Ausmaß stattfanden, dass Anthropologen, Soziologen und Städteplaner seit mehreren Jahrzehnten die Luft anhalten, entstand das „Straßendorf“, das informelle Dorf an der Straße, ein „Pueblo Callero“. Das Leben seiner Bewohner ist mit der Straße eng verwoben, denn sie ist Hauptverkehrsader, Kommunikationsweg und – vor allem – direkte Verbindung zu den großen Ballungszentren.

 

Entwurf:

1. Siedlungsstruktur

Durch die beidseitige Nutzung der Mauer entsteht eine verdichtete Siedlungsstruktur. Streusiedelungen entlang vielbefahrener Straßen können dadurch einen kompakteren Kern ausbilden und so zur dörflichen Struktur zusammenwachsen. Dies betrifft nicht nur die bauliche, sondern ebenso die soziale Struktur des Straßendorfes.

2. Raumklima

Die auf unterschiedlichen Höhen angeordneten Dächer sorgen für ideale Luftzirkulation in den innersten Räumen des Hauses. Unterstützt wird dieses System durch sich immer wieder ergebende Hofsituationen, welche – von Dachauskragungen beschattet – auch unter Tags kühle und frische Luft zwischen den einzelnen Räumen speichern.

3. Erschließung

Jedes Siedlungshaus wird zentral in der Längsachse des Grundstückes erschlossen. Dies kann entweder rechter- oder linkerhand der haupttragenden, mittleren Säulenreihe der Fall sein. Stiegenaufgänge werden auf der jeweils gegenüberliegenden Seite angelegt, um eine angenehme Raumgröße sowohl rechts-, als auch linksliegender Räume zu sichern.

4. Bambusbau

Bambus ist als Baustoff kaum normierbar, selten gleicht eine Stange der anderen. Die Nutzlänge einer Bambusstange beträgt etwas mehr als 6 Meter. Um die ideale Nutzung des Baustoffes zu ermöglichen, beträgt deshalb die maximale Trägerlänge (zwischen zwei Auflagern) in diesem Entwurf 3 Meter.

5. Privatheit

Bambuswände sind nahezu durchlässig, mehr Gewebe als Wand, und es ist deshalb kaum möglich, sich in einem für Geräusche und Blicke so offenen Raum zurückzuziehen. Daher gibt der Entwurf in den einzelnen Häusern unterschiedliche Facetten der Privatheit vor: Nassräume befinden sich im hinteren Teil des Grundstückes, Schlafzimmer ausschließlich in den geschützteren Obergeschoßen, wohingegen gemeinschaftliche Räume im Erdgeschoß und zur Straße hin orientiert sein können.

6. Sicherheit

Engeres Beisammenwohnen, eine klare Abgrenzung zum Durchzugsverkehr auf der Straße, die Möglichkeit, aus dem Obergeschoß den Straßenraum zu überblicken und sich in den hinteren Teil des Hauses zurückziehen zu können, tragen zum positiven Sicherheitsempfinden der Bewohner bei.

7. Brandschutz

Brandschutz ist eines der zentralen Themen im Bambusbau. Die Hauszwischenmauern sind deshalb als Feuermauern konzipiert und sollen im Ernstfall die Ausbreitung von Brandherden verhindern.

8. Hygiene

Ziel der während des Baus als “feste” Wandbestandteile angelegten Zu- und Abwasserleitungen ist die Sicherung eines hygienischen Mindeststandards. An diese kann direkt über dem Fundament direkt angeschlossen, sowie die Leitungen bei Bedarf verlängert werden.

9. Entwässerung

Für die Dachentwässerung ist eine Rinne in jeden Wandabschluss miteinbetoniert. Diese kragt hinter dem Grundstück aus, um das während der Monsune in der Regenzeit anfallende Wasser vom Haus wegzuleiten.

01 Konstruktionsablauf04 Aufbau Wand und Fundament M 5006 Grundrisse und Ansichtent M 50 VL8B6773_kl