Der Wohnbau ist meist die ungeliebte Arbeit der ArchitektInnenschaft. Er hat oft wenig Entfaltungsmöglichkeiten (finanzielle, räumliche Grenzen), die meisten Regeln (Richtlinien und Gesetze) einzuhalten und nie ein so großes Echo in der Öffentlichkeit wie ein Museum, Theater oder anderes Monument. Dennoch ist der Wohnbau das Hauptbetätigungsfeld der ArchitektInnen. Wohnbauten haben in der Regel keine so lange Lebensdauer wie ihre anscheinend prominenteren Gebäudekollegen oder müssen aufgrund der sich immer schneller ändernden Bedingungen (wie des Klimas, der Energiewirtschaft, veränderten sozialen Umstände, etc.) umgebaut/renoviert werden. Gerade im Laufe der letzten Jahrzehnte gab es einen großen Wandel in der Wohnbaukultur.

Alexander Kollmann _ Modellfotos Studien (6)

Die Entstehung der Singlehaushalte, die Überalterung der Bevölkerung, die immer kürzer dauernden Partnerschaften (Lebenspartnerschaften auf Dauer wie die Ehe nehmen ab) und immer größere Mobilität (die Häufigkeit der Umzüge steigt stetig an) machen eine Veränderung in der Planungsstrategie von Wohnungen unumgänglich. Die neue Wohnung muss auf die veränderten Bedingungen eingehen und kann nicht mehr nur eine Einheitsplanung für alle Menschen, mit ihren individuellen Lebensgeschichten, sein. Diese Arbeit nimmt die neuen Lebensverhältnisse zum Ausgangspunkt und behandelt das Thema der Flexibilität im Wohnbau in Bezug auf die ständige Veränderung der BewohnerInnenstruktur im Gebäude. Diese Fluktuation im Wohnbau und die Möglichkeiten der Planung/deren Ermöglichung stehen im Vordergrund der Untersuchung. Diese behandet die Kombinationsmöglichkeiten bei Ein- und Zweizimmereinheiten. Das Hauptaugenmerk wird auf planungsrelevante Fragen für eine ständige Fluktuationsmöglichkeit gelegt wie: die freien und fixen Elemente im Grundriss; die individuelle Wahlfreiheit in der Grundrissgestaltung; die Möglichkeiten der Kombination, Zusammenlegung und Teilung von Wohnungen; den Einfluss der vorgenannten Punkte auf eine vorausschauende Planung. Ansatzpunkte zur Bearbeitung dieses Themas sind: die historische Entwicklung im Wohnbau; das Erstellen eines Begriffslexikon um die wichtigsten Schlagworte zu fassen; die Frage welche Arten der Flexibilität es gibt und wo ihre Grenzen liegen; die Untersuchung von gebauten und geplanten Projekten, bzw. die Erstellung einer eigenen Grundrissstudie, zur Entwicklung einer Planungsrichtlinie für einen dauernden fluktuationsoffenen Wohnbau; und die Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse an konkreten Projektbeispielen – drei Anwendungsbeispiele auf Grundstücken in Linz, Salzburg und Wien.