Typologie für Schulbauten im ruralen Gebiet um Kipushia

In Gesprächen mit unterschiedlichen Personen, die in der Region Kipushia leben oder mit ihr verbunden sind, werden schnell die schwierigen Lebensumstände vor Ort deutlich. Das Wohnen in beengten Räumlichkeiten in einem Gebiet ohne Infrastruktur, mit Mangelernährung und spärlicher Verfügbarkeit von medizinischer Versorgung und nicht zuletzt die fehlende persönliche Perspektive, sind hier alltäglich zu bewältigende Schwierigkeiten. Der weit verbreitete Wunsch nach etwas einfacheren Lebensbedingungen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Gesundheitswesen und sozialer Gemeinschaft ist mehr als nachvollziehbar.

Eine ganzheitliche Entwicklung, bei der die Aufwertungen einzelner Bereiche aufeinander aufbauen und durch Synergieeffekte das gesamte Gefüge stärken, ist Basis für nachhaltiges Handeln. Der Aufbau einer flächigen Bildungsinfrastruktur, welche der Bevölkerung eine leicht zugängliche Grundausbildung ermöglicht, gehört für mich zu den Grundvoraussetzungen einer solchen Entwicklung.

Dafür soll ein Netz aus Schulbauten in dem Gebiet aufgebaut werden. Beginnend mit Schulen mit jeweils zwei Klassenräumen, einem Lehrerzimmer und einem Lagerraum in verschiedenen Orten. Dies soll Motivation stiften für eine eigenständige, weitergehende Verdichtung der Bildungsinfrastruktur durch die lokale Bevölkerung.

Der hierfür notwendige Einsatz von Material, Werkzeug und Techniken beschränkt sich auf die lokalen Möglichkeiten der Bevölkerung. Ebenso müssen die Finanzmittel des Projektes dem Rahmen der regionalen Gegebenheiten entsprechen.

Typologisch erforderlich ist es, sowohl ein Wachsen der Schulbauten auf bis zu sechs Klassen mit Nebenräumen, als auch eine Reproduzierbarkeit an unterschiedlichen Orten bei gleichbleibender ›DNA‹ zu gewährleisten. Ebenso ist es notwendig, auf ein Übertragbarkeitspotential für private Bauten zu achten, um eine nachhaltige Verbesserung der privaten Wohnumstände zu erreichen. Denn in dem großen Einflussgebiet ist ein würdevoll gebauter Lebensraum für viele Menschen Mangel und echtes Bedürfnis zugleich.

Für einen hohen Lerneffekt und um eine soziale und kulturelle Einbettung zu ermöglichen, ist die Einbeziehung der Bevölkerung in den Entstehungsprozess der Schulbauten Grundvoraussetzung. Vorhandene Kompetenzen und Fähigkeiten sollen durch den Wissensaustausch mit Facharbeitern von außerhalb erweitert und gefördert, aber nicht durch diese ersetzt werden.

Die Herausforderung eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu skizzieren, halte ich für eine wertvolle und spannende Aufgabe und für einen Anstoß, vorhandenes Potenzial zu nutzen, zu verfeinern und zu verstärken.

Entwicklung Schultypologie

Für die Stabilität von größeren Räumen liegen die Hauptherausforderungen in der Länge und Höhe ihrer Wände sowie in der Festigkeit der Eckverbindungen. Je länger und höher die Wände,umso massiver müssen diese ausgeführt werden. Bei verstärkter Eckausbildung, sowie durch das Einfügen von Zwischenpfeilern, kann die Wandstärke reduziert werden ohne die Knick- oder Kippgefahr zu erhöhen. Bei geringen Wandhöhen können die stabilisierenden Elemente entsprechend minimiert werden.

Öffnungen ohne Sturz sind im Bereich von Zwischenpfeilern bis zur verstärkten Ecke problemlos möglich, da immer noch stabile Elemente die Standsicherheit gewährleisten. Diese können in unterschiedlichster Weise ausformuliert werden und erfüllen Funktionen wie Erschließung, Sitzmöglichkeit, Ablagefläche usw. Zusätzlich besteht hierdurch eine Reaktionsmöglichkeit auf die Himmelsrichtung, die je nach Standort und Orientierung gestaltet werden kann.

Durch ein Strohdach mit einer Mindestneigung von 45° wird trotz der geringen Wandhöhe eine komfortable Raumhöhe erzielt. Daneben hat Stroh sehr gute klimatische Eigenschaften wie Dämmfähigkeit und Atmungsaktivität.

Lernhäuser, Marcus Brückner, Foto Katharina doblinger Lernhäuser, Marcus Brückner, Foto Katharina Doblinger Lernhäuser, Marcus Brückner, Foto Katharina Doblinger Lernhäuser, Marcus Brückner