Entscheidung für eine Entwurfsaufgabe

Das folgende Projekt ist ein Vorschlag für ein Mädcheninternat in Kipushia, eines der zentralen Dörfer des Projektgebietes. Der Wunsch dieses Thema zu bearbeiten, stellte sich bei mir unmittelbar auf der Reise ein, da wir uns in einer stark männlich dominierten Welt, einer Welt des Männerordens der Salesianer, bewegten. Frauen sahen wir meist nur aus der Ferne. Mädchen, so sagte man uns wollten einfach mit vierzehn heiraten, Mädchen hätten nur Familie im Kopf, Mädchen mit Ausbildung hätten schlussendlich sogar Probleme, später einen Ehemann zu finden, Bildung also hätte wohl wenige Vorteile für eine Frau.

Ein Bekannter aus Südafrika meinte einmal, ich sollte mir die Geschichte der Afrikaner ähnlich der Geschichte der Frau vorstellen. Wie also schreibt die afrikanische Frau Geschichte? Vielleicht ist all dies übertrieben, irgendwie pathetisch. Dennoch ist Gleichberechtigung ein gutes Schlagwort und der Wunsch danach, für mich Grund genug, einen Gegenvorschlag zur Realität zu entwerfen.

Das Projektbüro der Salesianer in Lubumbashi plant längerfristig ein Internat für Mädchen zu errichten. Die Finanzierung des Projekts, sowie die Zukunft des Mädcheninternats generell, stehen aktuell noch in den Sternen. Die architektonische Ausformulierung der jeweiligen Internate für Jungen und Mädchen zeigt deutlich, wem mehr Wertschätzung zukommt bzw. wessen Ausbildung nach wie vor Priorität hat.

›Mehrere ZuHäuser‹ ist ein prototypischer Versuch ein temporäres zweites Zuhause für Mädchen zu schaffen. Es verbildlicht durch seine Größe und Funktion, wie ein solches Gebäude aussehen könnte. Unsere Reise war verhältnismäßig kurz, die Sprachbarrieren oft groß und sollte ein solches Projekt zur Umsetzung kommen, bedürfte es zuallererst einer Abgleichung mit der Realität und vor allem einer genaueren Berücksichtigung der tatsächlichen Wünsche, Bedürfnisse und Anfordernisse. Das folgende Internat soll einer Gruppe von etwa 25–30 jungen Frauen einen Ort des Lebens und des Austausches bieten.

Die Schlafhäuser und Lagerräume sollen eine intakte klimatische Hülle bilden und vor Wärme und Kälte schützen. Die Decken sind in nubischen Tonnengewölben ausgeführt. Somit kann die Primärstruktur zur Gänze aus Lehm errichtet werden, ist termitenresistent und Temperaturspitzen werden durch die große Speichermasse bestmöglich ausgeglichen. Das Dach darüber spannt sich, ähnlich einem Regenschirm, über das gesamte Häuserensemble.

Das Internat präsentiert sich als räumlich differenzierter Gemeinschaftspavillon, welcher sich inmitten des Dorfgefüges befindet.Die jungen Frauen schlafen, wohnen, leben, essen, lernen, ruhen… unter einem gemeinsamen Dach.

Nun entstehen im konkreten Fall:
4 Schlafhäuser für die Schülerinnen, in jedem wohnt eine kleine Gruppe von 6 Mädchen, 1 Schlafhaus für die Betreuerin(nen), 1 Lager für Diverses, 1 Lager für Nahrungsmittel, 1 Lernraum, 1 Kochstelle, 4 Duschen und 2 Toiletten. Zu den einzelnen Häusern kommt ein Nutzgarten, den es vor freilaufenden Tieren und vor Diebstahl zu schützen gilt.

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Grundriss

Grundriss

Ansicht Küche

Schnitt Schlafräume