Die schmale Baulücke in Linz, die die beiden Straßen Kollegiumsgasse und Graben verbindet, hat viele Herausforderungen auf Lager. Im Norden ist das Grundstück durch eine dreiunddreißig Meter lange, fensterlose Feuerwand begrenzt, die auch die maximale Länge vorgibt. Südseitig ist die Grenze inhomogen und von zwei Gebäuden bestimmt: Ein Wohngebäude mit Villa-Charakter, dass seine barocke Fassade zum Bauplatz hin präsentiert und ein eingeschossiger Schuppen, der aus der Achse zur Baulücke hinausragt und auf seinen Abriss wartet. Im Osten und Westen befinden sich tiefe Straßenschluchten – Lärm, Abgase und die beengte Verkehrssituation erzeugen eine beklemmende Atmosphäre.

Als Reaktion auf die Umstände wird ein Baukörper in die Lücke gesetzt, der sich mit seinem schmalen Kern an die Feuermauer schmiegt. Zur Südseite öffnet er sich großzügig, kommuniziert mit den angrenzenden Gebäuden und lässt ihnen genügend Raum. Aus der Fassade wachsen Knospen, Ausbuchtungen die sich nach Nährstoffen strecken – Licht und Ausblick. An der Südseite sind diese Knospen fensterlos und bieten eine ideale Anknüpfstelle für zukünftige Gebäude. So wächst der Baukörper mit jeder Stadtentwicklung mit und passt sich an, ohne sich zu verändern.

Die Grundrisse der Wohnungen und Arbeitsbereiche sind geradlinig und schlicht. Von der Eingangssituation durchblickt man die gesamte Einheit, ohne dass zu viel von den einzelnen Bereichen preisgegeben wird. Die Erschließungsachse an der Südfassade wird immer wieder durchbrochen von den nach außen strebenden Knospen, die zu Schlaf-, Wohn- und Essbereichen erblühen und den darüber liegenden Geschossen eine Balkonlandschaft bieten. Die Sichtachsen sind freigespielt und auch der Blick ums Eck wird möglich. Das Dachgeschoss bietet einen Gemeinschaftsbereich für alle Bewohner inklusive Sauna und Gemeinschaftsküche mit Ausblick. Ein Laubengang bildet eine Klammer über die einzelnen Gebäude auf dem Dach, wobei er die Fassadenstruktur der unteren Gebäude übernimmt und einen gefilterten Blick auf die Stadt gibt.

KonzeptschnittAFM