Der Entwurf reagiert auf das jahrzehntelange unkontrollierte Wachstum des Friedhofs mit dem Festlegen eines neuen Standortes. Sichtbare Spuren der planlosen Entwicklung Richtung Osten (jüdischer Friedhof) sind die den Friedhof zerschneidenden Mauern, Reste alter Begrenzungen. Vor dem jüdischen Friedhof befindet sich ein derzeit ungenütztes Grundstück an einer Hangkante an dem die neue Aussegnungshalle und somit auch der Hauptzugang zum Friedhof geschaffen werden soll.

Der unliebsam gewordene Bestand der Aussegnungshalle wird bis auf das denkmalgeschützte Gebäude im Süd-Westen sowie Garagen und Lagerflächen im Nord-Osten abgerissen. An diesem Ort soll das neue Gebäude errichtet werden, geschützt von Verkehr und dem städtischen Alltag.

Der Entwurf sieht am Bauplatz 01 den Bau eines Hauptbaukörper und zweier Nebenbaukörper vor, die durch ein gemeinsames Dach verbunden, einen beruhigten Innenhof schaffen zu dem sich die Aussegnungshalle öffnet. Vom Wandelgang und der Nachtwache umschlossen treten die Aussegnungshalle und der Glockenturm höhenmäßig in Erscheinung. Alle anderen Funktionen kommen mit einer geringeren Raumhöhe aus und orientieren sich an der bestehenden Friedhofsmauer.

Betritt man als Trauergemeinde das Gebäude, so erreicht man die Kojen über den Wandelgang, welcher durch Quer zur Laufrichtung stehende Wänden die Blicke von Außen nach Innen filtert. Hat man das Gefühl für einen Moment alleine für sich trauern zu müssen, so kann man das sichtgeschützt in einer der Nischen tun.

Nachdem die Trauergemeinde in der Koje Abschied und in der Aussegnungshalle Platz genommen hat, wird der Sarg vor den Trauernden aufgebettet. Das Tor zur Koje bleibt offen als Zeichen der Leere die der Verstorbene hinterlässt. Nach der Zeremonie wird der Sarg über den geschützten Innenhof entlang dem »Prozessionsweg« (Hauptader des Friedhofs) zum Grab getragen, wo dieser versenkt oder zum Bauplatz 02 gebracht wird, wo sich das Krematorium befinden wird.

 

Ansicht Ost

Ansicht Ost

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Gottesacker im Wandel, Marco Stummer
Ansicht Süd

Ansicht Süd

Gottesacker im Wandel, Marco Stummer

Innenhof zwischen jüdischem Friedhof und Aussegnungshalle | Aussegnungshalle

 

Längsschnitt

Gottesacker im Wandel, Marco Stummer

Zugang zwischen jüdischem Friedhof und Aussegnungshalle | Trauernischen

Querschnitt

Querschnitt